Jassen in der Schweiz: in der Beiz, im Verein und am Turnier

Veröffentlicht am 11. Oktober 2026 · 5 Minuten Lesezeit

Jassen gehört in der Schweiz an den Tisch, an dem man sich gegenübersitzt. Das Bundesamt für Kultur zählt es zu den lebendigen Traditionen der Schweiz. Hier erzählen wir, wo gejasst wird, was ein Jassverein und ein Turnier ausmacht und warum die Karten und ihre Namen sich von Region zu Region unterscheiden.

Ein Spiel um ein Glas Wein

Der Jass kam gegen Ende des 18. Jahrhunderts aus den Niederlanden in die Schweiz. Der älteste Beleg stammt aus Schaffhausen: 1796 verklagten zwei Pfarrer zwei Bauern, die um ein Glas Wein ein Spiel gespielt hatten, das man Jassen nenne. Seither ist der Jass das Kartenspiel der Schweiz geworden. Gespielt wird er in allen Landesteilen und von Jung und Alt, und meistens lernt man ihn in der Familie.

Zum Jassen am echten Tisch gehört mehr als ein Kartenspiel. Auf dem Jassteppich aus Filz gleiten die Karten leise, und die Punkte schreibt jemand mit Kreide auf die Jasstafel. Wer keine Tafel zur Hand hat, findet unsere digitale Jasstafel unter den Werkzeugen. Sie zählt für den Schieber und für den Coiffeur mit.

In der Beiz und zu Hause

Die bekannteste Jassrunde sitzt in der Beiz. Am Stammtisch trifft man sich zur gewohnten Zeit, die Karten liegen bereit, und gespielt wird oft der Schieber, die bekannteste Jassart, zwei gegen zwei mit dem Partner gegenüber. Schon die Bauern von 1796 spielten um ein Glas Wein. Die Runde in der Stube zu Hause ist mindestens so verbreitet. Dort lernen die Kinder die Farben und die Punkte,.

Gerade weil jede Runde ihre eigenen Gewohnheiten hat, lohnt es sich, vor dem ersten Spiel zu klären, was gilt. Zählt ihr bis 1’000 oder bis 2’500, wird mit Multiplikatoren gespielt, und darf man schieben, wenn der Partner schon geschoben hat? Unsere Spielregeln zeigen, wie wir auf wyys.ch spielen, und der Artikel über die Schieber-Regeln erklärt die üblichen Varianten.

Im Jassverein

Wer regelmässig und mit wechselnden Gegnern spielen möchte, findet in vielen Gegenden einen Jassklub oder Jassverein. Der Kantonal Zürcher Jassverein zum Beispiel besteht seit 1994 und trifft sich jede Woche an einem festen Abend. Der Jassverband Schweiz vernetzt die Jasserinnen und Jasser im ganzen Land und macht Turniere sichtbar, vom Stammtisch bis zur Meisterschaft. In der Romandie und im Tessin gibt es dafür die Fédération Romande et Tessinoise de Jass.

Am Turnier

An einem Jassturnier sitzen sich Leute gegenüber, die sich vorher oft nicht kannten. Viele Schieber-Turniere losen die Partner zu, andere werden mit festen Paaren gespielt. Daneben gibt es Turniere im Coiffeur und im Differenzler, bei dem jeder für sich spielt.

Jassturniere in deiner Region findest du im Turnierkalender von Jassverzeichnis. Dort lassen sich die Termine nach Kanton, nach Kartenart und nach Spielart filtern, also etwa nach Schieber, Coiffeur oder Differenzler. Wer selbst ein Turnier veranstaltet, kann es dort kostenlos eintragen.

Wer nachlesen möchte, wie ein Spiel offiziell geregelt ist, greift zum offiziellen Jassreglement nach Göpf Egg. Es ist in der 10. Auflage erschienen. Albert Hagenbucher, Jass-Schiedsrichter und Mitautor früherer Auflagen, hat es überarbeitet. Auf 240 Seiten beschreibt es über 70 Jassarten mit Legebeispielen. Auf wyys.ch gelten die Spielregeln, die wir für jedes Spiel selbst beschreiben, und an manchen Stellen spielen wir eine Hausregel.

Auch das Fernsehen hat den Jass zu einem Turnier gemacht, das die ganze Deutschschweiz verfolgt. Im Sommer reist der «Donnschtig-Jass» von SRF durch das Land, und jede Woche spielen zwei Gemeinden gegeneinander. Gespielt wird dort, wie im «Samschtig-Jass», der Differenzler. In der Romandie zeigte das Westschweizer Fernsehen RTS früher die Jass-Sendung «5 de der».

Welche Karten in welcher Region

Gejasst wird mit 36 Karten, mit Deutschschweizer oder mit französischen Karten. Die Regeln sind bei beiden dieselben, nur die Bilder unterscheiden sich. Die Deutschschweizer Karten haben die Farben Eichel, Rosen, Schellen und Schilten, und ihre Bilder heissen König, Ober und Under. Die französischen Karten haben Kreuz, Herz, Schaufel und Ecke, und dort heissen die Bilder König, Dame und Bube. Der Zehner heisst bei den Deutschschweizer Karten Banner. In beiden Blättern wird der Under oder Bube der Trumpffarbe zum Puur, und die Neun der Trumpffarbe heisst Nell.

Welche Karten auf dem Tisch liegen, hängt von der Gegend ab. Die sogenannte Jassgrenze verläuft nicht entlang der Sprachgrenze, sondern mitten durch die Deutschschweiz. Sie folgt der Brünig-Napf-Reuss-Linie: Sie beginnt am Brünigpass, führt über den Napf zwischen Luzern und Bern und folgt dann der Reuss. Der Volkskundler Richard Weiss hat diese Grenze in den 1940er Jahren erforscht.

Welche Karten in welchen Regionen üblich sind
RegionÜbliche Karten
Ostschweiz und ZürichDeutschschweizer Karten
Innerschweiz, etwa Uri, Luzern und ObwaldenDeutschschweizer Karten
Bern, Solothurn und beide BaselFranzösische Karten
WallisFranzösische Karten
RomandieFranzösische Karten
AargauBeide, geteilt entlang der Reuss
GraubündenBeide, häufiger französische

Wie deutlich diese Grenze heute noch ist, hat Jassverzeichnis aus Turnier- und Bestelldaten seit 2013 ausgewertet. In Uri spielen demnach 99 Prozent mit Deutschschweizer Karten, in Luzern und Obwalden 95 Prozent und im Kanton Zürich 91 Prozent. Im Kanton Bern und im Wallis liegen dagegen zu 90 Prozent französische Karten auf dem Tisch. Der Aargau ist fast hälftig geteilt. Graubünden ist ein Sonderfall: Dort spielen etwa 64 Prozent mit französischen Karten, weniger deutlich als im Westen, vielleicht weil Gäste aus der Deutschschweiz ihre eigenen Karten mitbringen. Im reformierten Thurgau lag früher eine Insel mit französischen Karten, die heute weniger klar zu erkennen ist.

Andere Namen für dieselben Spiele

In der Romandie heisst der Schieber meistens Chibre. Daneben ist dort die Tourne bekannt. Der Puur heisst auf Französisch Bourg, der Nell bleibt der Nell. Und auch der Coiffeur wird in der Westschweiz gespielt, als Jass du coiffeur, mit Spielarten wie Misère und Slalom.

Auf wyys.ch kannst du die Karten deiner Region wählen. Du spielst wahlweise mit Deutschschweizer oder mit französischen Karten, und die Regeln bleiben dabei dieselben. Wie der Schieber, der Coiffeur, der Differenzler und der Molotow bei uns gespielt werden, steht jeweils auf der Seite des Spiels.

Vom Tisch ins Netz und zurück

Ein Online-Jass ersetzt die Runde in der Beiz nicht, aber er hilft, wenn die vierte Person fehlt oder die Freunde in einer anderen Stadt wohnen. Auf wyys.ch spielst du im Solo-Spiel gegen drei Bots oder öffnest einen Tisch und schickst den Code an deine Freunde. Wie das geht, steht unter Jassen mit Freunden und im Artikel So funktioniert das Jassen auf wyys.ch. Wenn ihr danach wieder am echten Tisch sitzt, schreibt die Jasstafel auf dem Handy mit, oder ihr druckt euch eine Tafel aus.

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